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Was ist Wirksame Führung?

Harro Engelmann • 5. Februar 2025

- und welche Bedeutung hat diese Frage für die Anwendung agiler Führungsstile?

Ich beschäftige mich gerade aufgrund einer Kooperation mit der KOMMA in Schleswig-Holstein mit dem Thema “Wirksamkeit im Führungsverhalten”. Und wie es immer so ist, wenn ein Thema gerade auf dem Tisch liegt, beginnt man die Welt mit anderen Augen als den bisherigen zu betrachten. Man setzt sich mit z.T. neuen Theorien und Ansätzen auseinander. Hält sie gegen die Klassiker und fragt sich z.T. “was ist hier eigentlich neu und was ist Scharlatanerie?". Und dann erlebe ich häufig diesen Moment, in dem ich das Thema, mit dem ich mich beschäftige, in der aktuellen politischen Weltlage und Diskussion wiederfinde.

Dabei geht es auch nicht um die Frage von “gut oder schlecht”, sondern eher um die Einordnung des tatsächlichen Aktualitätsgrads. Ich gebe zu, als ich den ersten Aufschlag für das Training konzipiert hatte, war dieser deutlich von der gedanklichen Korrelation “Mehr-Teameinbindung=höhere-Wirksamkeit” gefärbt. Zu sehr bin ich in meinem Führungsbild davon überzeugt, dass der Umgang mit dem sogenannten “infinite game” in Organisationen aus reichhaltigen Gründen gar nicht sinnvoller vollzogen werden kann. Aber dann kam da wieder einmal eine Meldung zum patriarchalen, autokratischen Führungsverhalten von Trump über die Ticker und ich konnte feststellen, wie sich mein Denken veränderte.

“Wirksamkeit von Führung” bedeutet nämlich in keinster Weise - “Wirksamkeit von Führung wie ich sie aus Gründen gut heiße”. Es bedeutet “nachhaltig wirksame, in der Organisation verankerte Führung”. Eine Führung, die wirkt und somit Reaktionen innerhalb einer Organisation hervorruft. Fernab von Bewertungskriterien wie gut oder schlecht. So kann auch - wie wir aus der reichhaltigen geschichtlichen Erfahrung her wissen - ein autokratisches Führungsverhalten eine Organisation nachhaltig und tiefgründig verändern und prägen. Also in höchstem Maße wirksam sein.

Als ich mich so beim Denken in diese Richtung ertappte, fiel mir zudem auf, dass Trump auch der Agilität gerade den Spiegel in Sachen Effizienz von Führungsverhalten vorhält. Jahrelange Diskussionen über Beteiligungsstrukturen führen die Prinzipien der Agilität - aus einem fehlerbehafteten Verständnis agiler Prinzipien heraus - ad absurdum. Der Autokrat erzielt auf den ersten Metern eine deutlich höhere Aktionsgeschwindigkeit, als der beteiligende Demokrat. Ist es besser oder schlechter? Auf jeden Fall ist es eine ernst zu nehmende Herausforderung, der sich auch die Agilisten erneut stellen müssen, wenn es um die Wirksamkeit der Führungsstile geht. Nicht alle blicken auf den langfristigen Erfolg. Wir sind - ganz im Gegenteil - mitten in einer Phase der Kurzsichtigkeit angekommen und das bedeutet, wenn sich Agilität ihren Platz sichern möchte, dass auch sie sich fern von Scrum und Kanban entwickelt und verändert. Neues zulässt, auch um attraktiv für Führungskräfte in der Anwendung zu bleiben.

Denn diese werden in Zukunft sich in Fragen der Wirksamkeit wohl wieder häufiger den Fragen der Zahlen und weniger der Teamkohäsion stellen müssen. Und wenn es Führungskräften auch mit Unterstützung von außen gelingt, das “sowohl als auch” zu bedienen, vielleicht gelingt es dann ja, dass es Trump ist, der überrascht aus der Wäsche schaut.

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Jahr für Jahr wiederholt sich das gleiche Szenario in vielen Unternehmen: Kurz vor Weihnachten steht mindestens ein Strategiemeeting an, das einen hohen Anspruch an Vollständigkeit und Perfektion verfolgt. Die begrenzte Zeit und die immense Erwartung, in wenigen Tagen das Fundament für das kommende Jahr zu legen, bilden dabei unüberbrückbare Herausforderungen, die die Führungskräfte meistens frustrierter zurücklassen. Oder wie es ein Bekannter von mir vor kurzem formulierte: “Oh man, ich weiß gar nicht, wo mir grad der Kopf steht! Ich hab in letzter Zeit ständig Strategie-Meetings und Workshops, die alle plötzlich in meinem Kalender erscheinen und mich vom Arbeiten abhalten!” Doch warum werden diese Meetings immer wieder so spät im Jahr angesetzt und welchen Einfluss hat das auf die Qualität der erarbeiteten Strategien und vor allem auf die Führungskräfte des Unternehmens? Der Timing-Fehler Die Monate November und Dezember sind für viele Mitarbeiter ohnehin schon eine stressige Zeit. Jahresabschlüsse müssen vorbereitet, Projekte abgeschlossen und zukünftige Budgets geplant werden. Inmitten dieses Chaos treffen sich Führungsteams, oft viel zu kurzfristig, um über weitreichende strategische Entscheidungen zu diskutieren. Die Folge: ein enormer Druck, alle Themen umfassend behandeln zu müssen, während die nötige Ruhe und Fokussierung fehlt. Was daraus erwächst sind fahrige “Strategien”, die z.T. im Widerspruch zueinander stehen und aus ihrer Gründung heraus Spannungen erzeugen. Der Anspruch an Vollständigkeit Der Wunsch, jede mögliche Eventualität im Strategiepapier abzudecken, führt oft zu überladenen und unklaren Plänen. Anstatt sich auf wesentliche Ziele und Maßnahmen zu konzentrieren, neigen (auch Leadership-) Teams dazu, sich im Detail zu verlieren. Dieser Hang zur Überkomplexität wird oft durch die fehlende Zeit zur sorgfältigen Vorbereitung und Nachbearbeitung der Themen verstärkt. Auch hierdurch entstehen unterschiedliche Problemlagen. Mikromanagement ist eines davon. Der fehlende Blick für Gesamte eine weitere. Die Führungskräfte Sie sind zumeist in der kalten Jahreszeit auf einer erhöhten Betriebstemperatur: Mitarbeitende fallen krankheitsbedingt aus, Zahlen müssen geprüft und vielleicht auch noch das ein oder andere Prämienrelevante persönliche Entwicklungsziel abgearbeitet werden. Und dann braucht es ausgerechnet in dieser Zeit eine Auseinandersetzung mit der Zukunft und den Zielen? Das frustriert und senkt die Motivation. Das kann zuweilen selbst die erarbeitete Strategie konterkarieren. Und für angespannte und zugleich motivierte Menschen den berühmten Tropfen darstellen. Und was kann hier helfen? Nun, als erster Schritt: Terminplanung und die Frage danach, wie im Unternehmen eigentlich Strategie geplant werden möchte und soll! Dabei lohnt sich der Einsatz von Methoden, die auch Planungsprozesse unterstützen. Es lohnt sich auch, bei der Terminplanung eine Zeit zu berücksichtigen, in der die Geschäfte eher ruhig laufen und die relevanten Personen nicht an der Spitze ihrer Auslastung unterwegs sind. Ein weiterer Schritt: eine Auseinandersetzung mit den Erwartungen an das Meeting oder die Meeting-Serie. Wer sich traut, klar auszusprechen, was er erreichen möchte, hat mehr Chancen am konkreten zu diskutieren. Die Diskussionen wabern nicht im Raum und Menschen verlassen denselben nicht frustriert. Im Meeting selbst: Fokussierung auf das Wesentliche! Durch gezielte Moderation helfen Sie, Ablenkungen zu vermeiden und das Meeting auf die entscheidenden Punkte zu konzentrieren. Und dabei hilft eine über Jahre erfolgreich angewandte Regel: Wer inhaltlich diskutieren möchte, moderiert nicht. Und wer moderieren möchte, diskutiert nicht inhaltlich mit. Daher lohnt es sich meistens, zum Thema Strategie eine externe Moderation hinzuzuziehen, die Methoden-kompetent die Ziele der Gruppe im Blick behält und die Gruppe zur Zielerreichung führt. Und ein weiterer Schritt: Eine Strukturierte Vorbereitung Indem sie im Vorfeld klare Vorbereitungsprozesse definieren, stellen sie sicher, dass die relevanten Informationen und Analysen rechtzeitig zur Verfügung stehen. Zudem hatten alle Teilnehmenden die Gelegenheit, sich vorzubereiten und ihre jeweiligen Perspektiven zu sortieren. Das steigert zudem den Grad der tatsächlichen Beteiligungsmöglichkeiten und erhöht die Konsensfähigkeit der Gruppe. Ein Fazit Späte Strategiemeetings, die eine umfassende Vollständigkeit anstreben, sind oft zum Scheitern verurteilt, wenn sie unter Zeitdruck und ohne klaren Fokus durchgeführt werden. Externe Begleitung kann hier den entscheidenden Unterschied machen, um Struktur und Effizienz in den Prozess zu bringen und den Wunsch nach einer klaren und umsetzbaren Strategie zu erfüllen. Während sich das Jahr dem Ende zuneigt, sollten Unternehmen darüber nachdenken, wie sie ihre zeitlichen Abläufe und Ressourcenplanung optimieren können – denn die beste Strategie ist nutzlos, wenn sie in Hektik und Unklarheit entwickelt wird.
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