Der Begriff „Kulturwandel“ ist in vielen Unternehmen zum Schlagwort geworden, vor allem im Kontext von Digitalisierung, Agilität und Transformation. Doch in der Praxis scheitern viele Kulturwandel-Initiativen. Aber warum passiert das? In diesem Blogpost werfe ich einen Blick auf die drei häufigsten Gründe, warum eine Digitalisierungsstrategie scheitert und der Kultur auch dadurch Schaden zugefügt wird.
Fokus auf schnelle, sichtbare Ergebnisse
Unternehmen stehen oft unter immensem Druck, Veränderungen schnell umzusetzen, sei es durch neue Tools, Strukturen oder Prozesse. Der Erfolg wird dabei häufig an messbaren Kennzahlen wie Effizienzsteigerungen oder Umsatzwachstum gemessen. Man könnte sagen Impulsgesteuert.
Doch der Wandel von Werten, Denkweisen und Verhaltensmustern – also der Kern eines Kulturwandels – ist ein langfristiger und subtiler Prozess. Er ist weniger greifbar und lässt sich schwer in Zahlen fassen. In der Hektik des operativen Geschäfts wird die Arbeit an der Unternehmenskultur daher oft als „nice to have“ betrachtet, während der Fokus auf schnelle, sichtbare Ergebnisse gelegt wird.
Die Spielseite (vgl. Kühl) wird dabei also außer Acht gelassen und dazu eingeladen, sich im Verlauf des Prozesses durch Ablehnung der Veränderung zu revanchieren.
Fehlendes Verständnis für die Komplexität von Veränderung
Ein weiterer Grund, warum die Kultur unter Digitalisierungsprozessen leiden kann, ist das fehlende Verständnis dafür, wie tiefgreifend ein Kulturwandel tatsächlich ist. So wird der Wandel nicht etwa durch neue Leitbilder, ein paar Trainings oder das Aufstellen neuer Verhaltensregeln erreicht.
Kultureller Wandel bedeutet vielmehr, bestehende Muster aufzubrechen, Ängste zu adressieren und neue Gewohnheiten zu etablieren. Das erfordert Zeit, Geduld und ein tiefes Verständnis für die Dynamiken menschlichen Verhaltens. Ohne diesen Blick auf die menschliche Seite bleiben Kulturinitiativen oberflächlich und verlieren an Wirkung - lassen diese Wirkung im positiven gar nicht erst entstehen, sondern erzeugen im Gegenteil negative Effekte.
Unterschätzte emotionale Dimension
Kulturwandel geht immer mit Unsicherheit und oft auch mit Widerstand einher. Menschen fühlen sich bedroht, wenn ihre gewohnten Arbeitsweisen und Werte infrage gestellt werden. Organisationen neigen unter Druck jedoch dazu diese emotionalen Reaktionen zu ignorieren oder als Hindernis zu betrachten, das es zu überwinden gilt.
Dabei ist es entscheidend, Mitarbeitende emotional mitzunehmen. Werden Ängste, Zweifel oder Frustrationen nicht adressiert, entsteht eine Kluft zwischen den Veränderungszielen der Organisation und der Bereitschaft der Menschen, diese mitzutragen. Führungskräfte, die den emotionalen Aspekt außer Acht lassen, riskieren eine passive oder sogar aktive Ablehnung des Kulturwandels.
Fazit: Kulturwandel braucht die Menschen, für die er angegangen wird.
Ein erfolgreicher Kulturwandel ist daher mehr als nur die Einführung neuer Prozesse oder Strukturen – er erfordert, dass die Menschen im Unternehmen diesen Wandel verstehen, mitgestalten und leben.
Dazu gehört es, den Fokus nicht nur auf Ergebnisse zu legen, sondern auf den Prozess der Veränderung. Es bedeutet, das Verhalten, die Bedürfnisse und die Emotionen der Mitarbeitenden ernst zu nehmen und ihnen Raum zu geben, um sich mit den Veränderungen auseinanderzusetzen.
Denn letztlich ist es nicht die Technologie, die einen Kulturwandel ermöglicht – sondern die Menschen, die ihn gestalten.