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Wenn Führungskräfte im Change abtauchen

Harro Engelmann • 1. Februar 2024

Uns was einem Berater das über den Begleitungsprozess verraten kann

Es ist eine Seite des beraterischen Tätig seins, dass innerhalb einer Begleitung die Beteiligten Menschen der Organisation vom Anfang bis zum Ende des Prozesses innerhalb ihres Wirkungskreises aktiv Veränderung durch die Teilnahme an Prozessen, Workshops und Coachings unterstützen. Das sind die Begleitungen, die den Begleiter dazu verleiten, sich in einen Wohlfühlsog ziehen und vom System zu sehr vereinnahmen zu lassen. Das muss natürlich nicht sein - diese Begleitungen können auch einfach Spaß machen und einen Flow erzeugen.


Es gibt aber auch eine andere Form der Begleitung, in der sich z.B. mitten im Prozess Führungskräfte aus dem Prozess verabschieden und scheinbar - durch aktives Tun oder Passivität - den Prozess der Veränderung bekämpfen. Termine werden kurzfristig abgesagt, abgestimmte Maßnahmen werden nicht freigegeben - kurzum, es setzt eine Blockade eines Veränderungsprozesses ein.


Nun finde ich als Begleiter es ja gerade spannend, mit diesen Widerständen zu arbeiten. Eine erste Reaktion auf Ereignisse wie die Beschriebenen besteht bei mir dann immer darin, dass ich mir eine Landkarte erstelle, verbunden mit der Fragestellung, welchen Teil oder welches Muster der Organisation dieses Verhalten einzelner Beteiligter schützt. Welche positive Intention steckt dahinter?


Dieser distanzierte Ansatz aus der Meta-Ebene soll nicht heißen, dass ich mich über kurzfristige Absagen und Planänderungen ohne Abstimmung nicht auch ärgern kann. Ganz im Gegenteil, es macht mich wütend, wenn Verantwortliche mit vereinbarten zur Verfügung gestellten Ressourcen und Möglichkeiten so fahrlässig umgehen. In der professionellen Distanz aber bin ich gefordert zu filtern, was dahinter steht und um welche Frage es dabei eigentlich geht, wenn sich Führungskräfte durch Verweigerung aus einem Change-Prozess - zumindest vorläufig - verabschieden.


Dabei gilt es sicherlich auch zu schauen, dass jeder Ausstieg potentiell eine andere Antwort bereithält. Mal mögen es persönliche Beweggründe sein, mal ist es das Stellvertretertum für Muster aus der Organisation. Vielleicht ist es die Ablehnung des Prozesses, vielleicht Zufall. Mal geht es vielleicht sogar um die Bewertung des Begleitenden. In anderen Fällen könnte der eigene Macht- und Einflussbereich in Gefahr sein. 


Warum ich darüber schreibe? Es bewegt mich einfach in der Hinsicht, dass es verdeutlicht, was Begleitung eben ist, nämlich die Arbeit an und mit Veränderung und das ohne Netz und doppelten Boden. “Jede Handlung ist eine Intervention” schreibt Ed Schein und demzufolge erzeugen Interventionen eben auch Handlung. Sich dessen als Begleiter bewusst sein und bleiben kann den Unterschied ausmachen und darüber entscheiden, ob der Ausstieg nicht auch durch Maßnahmen zur Reintegration beantwortet werden kann oder ggf. gar nicht. 


Egal, wie Auftraggeber und Begleiter mit dieser Form der Intervention durch Führungskräfte umgehen, ist eines klar: die Chance zur Veränderung ist gegeben, da Bewegung erzeugt wurde. Und damit kann man doch arbeiten.


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Jahr für Jahr wiederholt sich das gleiche Szenario in vielen Unternehmen: Kurz vor Weihnachten steht mindestens ein Strategiemeeting an, das einen hohen Anspruch an Vollständigkeit und Perfektion verfolgt. Die begrenzte Zeit und die immense Erwartung, in wenigen Tagen das Fundament für das kommende Jahr zu legen, bilden dabei unüberbrückbare Herausforderungen, die die Führungskräfte meistens frustrierter zurücklassen. Oder wie es ein Bekannter von mir vor kurzem formulierte: “Oh man, ich weiß gar nicht, wo mir grad der Kopf steht! Ich hab in letzter Zeit ständig Strategie-Meetings und Workshops, die alle plötzlich in meinem Kalender erscheinen und mich vom Arbeiten abhalten!” Doch warum werden diese Meetings immer wieder so spät im Jahr angesetzt und welchen Einfluss hat das auf die Qualität der erarbeiteten Strategien und vor allem auf die Führungskräfte des Unternehmens? Der Timing-Fehler Die Monate November und Dezember sind für viele Mitarbeiter ohnehin schon eine stressige Zeit. Jahresabschlüsse müssen vorbereitet, Projekte abgeschlossen und zukünftige Budgets geplant werden. Inmitten dieses Chaos treffen sich Führungsteams, oft viel zu kurzfristig, um über weitreichende strategische Entscheidungen zu diskutieren. Die Folge: ein enormer Druck, alle Themen umfassend behandeln zu müssen, während die nötige Ruhe und Fokussierung fehlt. Was daraus erwächst sind fahrige “Strategien”, die z.T. im Widerspruch zueinander stehen und aus ihrer Gründung heraus Spannungen erzeugen. Der Anspruch an Vollständigkeit Der Wunsch, jede mögliche Eventualität im Strategiepapier abzudecken, führt oft zu überladenen und unklaren Plänen. Anstatt sich auf wesentliche Ziele und Maßnahmen zu konzentrieren, neigen (auch Leadership-) Teams dazu, sich im Detail zu verlieren. Dieser Hang zur Überkomplexität wird oft durch die fehlende Zeit zur sorgfältigen Vorbereitung und Nachbearbeitung der Themen verstärkt. Auch hierdurch entstehen unterschiedliche Problemlagen. Mikromanagement ist eines davon. Der fehlende Blick für Gesamte eine weitere. Die Führungskräfte Sie sind zumeist in der kalten Jahreszeit auf einer erhöhten Betriebstemperatur: Mitarbeitende fallen krankheitsbedingt aus, Zahlen müssen geprüft und vielleicht auch noch das ein oder andere Prämienrelevante persönliche Entwicklungsziel abgearbeitet werden. Und dann braucht es ausgerechnet in dieser Zeit eine Auseinandersetzung mit der Zukunft und den Zielen? Das frustriert und senkt die Motivation. Das kann zuweilen selbst die erarbeitete Strategie konterkarieren. Und für angespannte und zugleich motivierte Menschen den berühmten Tropfen darstellen. Und was kann hier helfen? Nun, als erster Schritt: Terminplanung und die Frage danach, wie im Unternehmen eigentlich Strategie geplant werden möchte und soll! Dabei lohnt sich der Einsatz von Methoden, die auch Planungsprozesse unterstützen. Es lohnt sich auch, bei der Terminplanung eine Zeit zu berücksichtigen, in der die Geschäfte eher ruhig laufen und die relevanten Personen nicht an der Spitze ihrer Auslastung unterwegs sind. Ein weiterer Schritt: eine Auseinandersetzung mit den Erwartungen an das Meeting oder die Meeting-Serie. Wer sich traut, klar auszusprechen, was er erreichen möchte, hat mehr Chancen am konkreten zu diskutieren. Die Diskussionen wabern nicht im Raum und Menschen verlassen denselben nicht frustriert. Im Meeting selbst: Fokussierung auf das Wesentliche! Durch gezielte Moderation helfen Sie, Ablenkungen zu vermeiden und das Meeting auf die entscheidenden Punkte zu konzentrieren. Und dabei hilft eine über Jahre erfolgreich angewandte Regel: Wer inhaltlich diskutieren möchte, moderiert nicht. Und wer moderieren möchte, diskutiert nicht inhaltlich mit. Daher lohnt es sich meistens, zum Thema Strategie eine externe Moderation hinzuzuziehen, die Methoden-kompetent die Ziele der Gruppe im Blick behält und die Gruppe zur Zielerreichung führt. Und ein weiterer Schritt: Eine Strukturierte Vorbereitung Indem sie im Vorfeld klare Vorbereitungsprozesse definieren, stellen sie sicher, dass die relevanten Informationen und Analysen rechtzeitig zur Verfügung stehen. Zudem hatten alle Teilnehmenden die Gelegenheit, sich vorzubereiten und ihre jeweiligen Perspektiven zu sortieren. Das steigert zudem den Grad der tatsächlichen Beteiligungsmöglichkeiten und erhöht die Konsensfähigkeit der Gruppe. Ein Fazit Späte Strategiemeetings, die eine umfassende Vollständigkeit anstreben, sind oft zum Scheitern verurteilt, wenn sie unter Zeitdruck und ohne klaren Fokus durchgeführt werden. Externe Begleitung kann hier den entscheidenden Unterschied machen, um Struktur und Effizienz in den Prozess zu bringen und den Wunsch nach einer klaren und umsetzbaren Strategie zu erfüllen. Während sich das Jahr dem Ende zuneigt, sollten Unternehmen darüber nachdenken, wie sie ihre zeitlichen Abläufe und Ressourcenplanung optimieren können – denn die beste Strategie ist nutzlos, wenn sie in Hektik und Unklarheit entwickelt wird.
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