Es ist eine Seite des beraterischen Tätig seins, dass innerhalb einer Begleitung die Beteiligten Menschen der Organisation vom Anfang bis zum Ende des Prozesses innerhalb ihres Wirkungskreises aktiv Veränderung durch die Teilnahme an Prozessen, Workshops und Coachings unterstützen. Das sind die Begleitungen, die den Begleiter dazu verleiten, sich in einen Wohlfühlsog ziehen und vom System zu sehr vereinnahmen zu lassen. Das muss natürlich nicht sein - diese Begleitungen können auch einfach Spaß machen und einen Flow erzeugen.
Es gibt aber auch eine andere Form der Begleitung, in der sich z.B. mitten im Prozess Führungskräfte aus dem Prozess verabschieden und scheinbar - durch aktives Tun oder Passivität - den Prozess der Veränderung bekämpfen. Termine werden kurzfristig abgesagt, abgestimmte Maßnahmen werden nicht freigegeben - kurzum, es setzt eine Blockade eines Veränderungsprozesses ein.
Nun finde ich als Begleiter es ja gerade spannend, mit diesen Widerständen zu arbeiten. Eine erste Reaktion auf Ereignisse wie die Beschriebenen besteht bei mir dann immer darin, dass ich mir eine Landkarte erstelle, verbunden mit der Fragestellung, welchen Teil oder welches Muster der Organisation dieses Verhalten einzelner Beteiligter schützt. Welche positive Intention steckt dahinter?
Dieser distanzierte Ansatz aus der Meta-Ebene soll nicht heißen, dass ich mich über kurzfristige Absagen und Planänderungen ohne Abstimmung nicht auch ärgern kann. Ganz im Gegenteil, es macht mich wütend, wenn Verantwortliche mit vereinbarten zur Verfügung gestellten Ressourcen und Möglichkeiten so fahrlässig umgehen. In der professionellen Distanz aber bin ich gefordert zu filtern, was dahinter steht und um welche Frage es dabei eigentlich geht, wenn sich Führungskräfte durch Verweigerung aus einem Change-Prozess - zumindest vorläufig - verabschieden.
Dabei gilt es sicherlich auch zu schauen, dass jeder Ausstieg potentiell eine andere Antwort bereithält. Mal mögen es persönliche Beweggründe sein, mal ist es das Stellvertretertum für Muster aus der Organisation. Vielleicht ist es die Ablehnung des Prozesses, vielleicht Zufall. Mal geht es vielleicht sogar um die Bewertung des Begleitenden. In anderen Fällen könnte der eigene Macht- und Einflussbereich in Gefahr sein.
Warum ich darüber schreibe? Es bewegt mich einfach in der Hinsicht, dass es verdeutlicht, was Begleitung eben ist, nämlich die Arbeit an und mit Veränderung und das ohne Netz und doppelten Boden. “Jede Handlung ist eine Intervention” schreibt Ed Schein und demzufolge erzeugen Interventionen eben auch Handlung. Sich dessen als Begleiter bewusst sein und bleiben kann den Unterschied ausmachen und darüber entscheiden, ob der Ausstieg nicht auch durch Maßnahmen zur Reintegration beantwortet werden kann oder ggf. gar nicht.
Egal, wie Auftraggeber und Begleiter mit dieser Form der Intervention durch Führungskräfte umgehen, ist eines klar: die Chance zur Veränderung ist gegeben, da Bewegung erzeugt wurde. Und damit kann man doch arbeiten.
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